Kläger SPC richtet sich strategisch neu aus. Was steckt hinter diesem Schritt?
Wir starten nicht bei null, sondern entwickeln Kläger SPC konsequent weiter. Über Jahrzehnte haben wir sehr viel Kompetenz in der Entwicklung und Fertigung anspruchsvoller Kunststoffbauteile aufgebaut. Gleichzeitig verändern sich die Anforderungen unserer Kunden: Entwicklungszyklen werden kürzer, Ressourcen knapper und Lösungen müssen flexibler werden.
Deshalb bündeln und schärfen wir unsere Kompetenzen jetzt in drei klaren Bereichen: dem K_Engineering Hub, der K_Tomorrow Factory und K_Precision Parts. Damit schaffen wir eine durchgängige Leistungskette. Von der ersten Idee über Entwicklung, Konstruktion und Prototyping bis zur Kleinserie oder industriellen Serienfertigung.
Unser Ziel ist klar: Wir wollen schneller werden, unsere Kompetenzen noch besser miteinander verbinden und unseren Kunden mehr Leistungen aus einer Hand anbieten. Gleichzeitig sprechen wir eine deutlich breitere Zielgruppe an und erschließen neue Anwendungsfelder, über Hochleistungskunststoffe wie PPS und die Automobilindustrie hinaus.
Mit der K_Tomorrow Factory rückt insbesondere die additive Fertigung stärker in den Fokus. Ist 3D-Druck für Kläger SPC ein komplett neues Geschäftsfeld?
Nein, ganz im Gegenteil. Prototyping und additive Fertigung begleiten uns schon seit Jahren. Unsere Konstrukteure und Entwickler haben zahlreiche Prototypen selbst entwickelt und konstruiert. Bei der Fertigung haben wir sowohl eigene Möglichkeiten genutzt als auch mit spezialisierten externen Partnern zusammengearbeitet.
In den vergangenen Jahren konnten wir zusätzliche Inhouse-Experten gewinnen und unser Know-how gezielt erweitern. Wir beginnen beim Thema 3D-Druck also nicht bei null.
Neu ist der Maßstab, in dem wir diese Kompetenz künftig einsetzen. Mit der Tomorrow Factory bündeln wir Know-how, Technologie und industrielle Prozesse stärker im eigenen Haus. Aus einer unterstützenden Technologie innerhalb unserer Entwicklung wird damit ein eigenständiges Leistungsangebot. Insbesondere für Industrie- und Maschinenbaukunden sowie Unternehmen der Rüstungsindustrie bieten sich dadurch neue Möglichkeiten.

Die drei Units von Kläger SPC und ihre Leistungen im Überblick
Was soll die K_Tomorrow Factory künftig leisten?
Wir wollen deutlich über den klassischen Anschauungsprototyp hinausgehen. Unser Anspruch sind funktionale, belastbare Bauteile für den industriellen Einsatz – vom Einzelstück über Funktionsprototypen und Betriebsmittel bis hin zu Vor- und Kleinserien.
Großes Potenzial sehen wir beispielsweise bei Ersatzteilen und im Bereich Rapid Tooling, also dem Werkzeugbau der Zukunft. Viele Unternehmen kennen das Problem: Ein Bauteil wird dringend benötigt, ist aber nicht mehr verfügbar. Oder die Stückzahl ist einfach zu gering, um ein neues Werkzeug wirtschaftlich zu rechtfertigen. Genau hier bietet die additive Fertigung spannende Möglichkeiten. Wir können Ersatzteile und Werkzeuge digital als CAD-Daten vorhalten und bei Bedarf schnell und flexibel produzieren. Auch bei den Materialien sind wir vielseitig aufgestellt: Neben klassischen Filamenten und Granulaten verarbeiten wir beispielsweise TPU für flexible Weichkomponenten. Damit eröffnen sich zahlreiche neue Einsatzmöglichkeiten für industrielle Anwendungen. Kurz- bis mittelfristig besteht zudem das Ziel, die im eigenen Spritzguss verwendeten Granulate auch in den 3D-Druckanlagen zu verarbeiten.
Das eröffnet auch innerhalb der Kläger Group neue Möglichkeiten. Perspektivisch können wir beispielsweise Vorserien, Kleinserien, Betriebsmittel oder Ersatzteile für Produkte und Produktionsprozesse der Gruppe additiv herstellen.
Damit entsteht für uns ein neues Marktfeld, nicht losgelöst von unseren bisherigen Kompetenzen, sondern auf deren Grundlage.
Welche Rolle spielt dabei das neue K_Engineering Hub?
Das Engineering Hub ist ein entscheidender Baustein unserer Strategie. Hier bauen wir auf einer Kompetenz auf, die bei Kläger SPC seit vielen Jahren vorhanden ist. Entwicklung, Konstruktion, Materialauswahl und die fertigungsgerechte Auslegung von Kunststoffbauteilen gehören seit Jahrzehnten zu unserem Alltag. Neu ist, dass wir dieses Know-how jetzt gezielt bündeln und als eigenständige Dienstleistung stärker für externe Kunden öffnen.
Wir verstehen ihn als externe Entwicklungsabteilung für unsere Kunden. Viele Unternehmen haben gute Produktideen, verfügen aber nicht immer über die notwendigen Entwicklungsressourcen oder über tiefgehendes Material- und Fertigungswissen. Genau dort setzen wir an. Unsere Entwicklungsingenieure und Konstrukteure unterstützen von der ersten Idee über CAD-Konstruktion, Materialauswahl und Simulation bis hin zur Herstellbarkeitsbewertung.
Darüber hinaus begleiten wir unsere Kunden auch bei technischen Fragestellungen rund um Patente und übernehmen die internationale Ausschreibung von Werkzeugen, Teilen und Baugruppen. Unser Anspruch ist es, den gesamten Entwicklungs- und Beschaffungsprozess aus einer Hand zu begleiten – von der ersten Idee bis zur passenden technischen und wirtschaftlichen Lösung.
Dabei ist unsere Unabhängigkeit wichtig. Wir betrachten zunächst die technische und wirtschaftliche Aufgabenstellung. Das Ergebnis muss nicht automatisch 3D-Druck oder Spritzguss sein. Entscheidend ist, gemeinsam mit dem Kunden eine verlässliche, wirtschaftlich sinnvolle Lösung zu entwickeln, die für ihn den größtmöglichen Mehrwert schafft.
Das kann anschließend ein Bauteil aus der Tomorrow Factory sein, eine klassische Serienlösung oder auch eine Kombination verschiedener Technologien.
Wie greifen K_Engineering Hub, K_Tomorrow Factory und K_Precision Parts konkret ineinander?
Genau in diesem Zusammenspiel liegt für uns ein wesentlicher Mehrwert.
Im K_Engineering Hub entstehen Ideen, Konstruktionen und fertigungsgerechte Lösungen. In der K_Tomorrow Factory können daraus innerhalb kurzer Zeit Funktionsprototypen, Muster, Vorserien oder Kleinserien entstehen. Und mit K_Precision Parts verfügen wir über jahrzehntelange Erfahrung in der hochpräzisen industriellen Serienfertigung technischer und hochleistungsfähiger Kunststoffe.
Entscheidend ist dabei: Die drei Bereiche ergänzen sich, funktionieren aber ebenso als eigenständige Einheiten. Ein Kunde kann gezielt nur Entwicklungs- und Konstruktionsleistungen aus dem Engineering Hub nutzen, mit fertigen CAD-Daten direkt in die additive Fertigung der Tomorrow Factory einsteigen oder K_Precision Parts als Partner für die industrielle Serienfertigung beauftragen.
Gleichzeitig können wir die Kompetenzen bei Bedarf nahtlos miteinander verbinden. Ein Kunde kann mit einer Skizze, einer bestehenden Zeichnung oder CAD-Daten zu uns kommen. Gemeinsam entscheiden wir dann, welche Leistungen benötigt werden und welcher Fertigungsweg technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist.
Wenn sich Anforderungen oder Stückzahlen verändern, können wir den Fertigungsweg entsprechend weiterentwickeln. Das macht uns flexibel und verkürzt Schnittstellen.
K_Precision Parts steht dabei für das etablierte Kerngeschäft. Welche Bedeutung hat dieser Bereich in der neuen Strategie?
Eine sehr große. Die strategische Neuausrichtung bedeutet nicht, dass wir unser bisheriges Geschäft hinter uns lassen. Im Gegenteil: K_Precision Parts bildet mit unserer langjährigen Fertigungs- und Materialkompetenz ein wesentliches Fundament.
Seit 1992 fertigen wir in Sachsen anspruchsvolle Präzisionsbauteile aus thermoplastischen Kunststoffen. Gerade bei Hochleistungskunststoffen wie PPS und bei Kunststoff-Metall-Hybridlösungen verfügen wir über sehr viel Erfahrung. Wir fertigen komplexe Teile mit engen Toleranzen sowohl in kleineren als auch in großen Stückzahlen.
Dieses Wissen fließt unmittelbar in die neuen Bereiche ein. Wer seit Jahrzehnten Bauteile für eine robuste Serienfertigung entwickelt und produziert, betrachtet bereits beim Prototyp andere Aspekte als jemand, der ausschließlich Prototypen fertigt.
Das ist eine unserer großen Stärken: Wir denken die spätere Serienfertigung von Anfang an mit.
Was verändert sich dadurch konkret für die Kunden von Kläger SPC?
Für unsere Kunden soll vor allem eines einfacher werden: der Weg von einer technischen Herausforderung zu einer funktionierenden und wirtschaftlichen Lösung.
Statt für Entwicklung, Konstruktion, Materialberatung, Prototyping, Kleinserie und Serienfertigung unterschiedliche Ansprechpartner koordinieren zu müssen, können wir wesentlich mehr davon innerhalb eines Kompetenzverbunds abdecken und als One-Face-to-the-Customer dienen.
Gleichzeitig gewinnen wir Geschwindigkeit. Wenn Entwicklung und additive Fertigung eng zusammenarbeiten, lassen sich beispielsweise Bauteile konstruieren, fertigen, testen, optimieren und erneut produzieren. Dieses Prinzip aus Entwickeln, Testen und Lernen kann Entwicklungszyklen erheblich verkürzen.
Und unsere Kunden bleiben flexibel: Nicht jedes Bauteil benötigt sofort ein Werkzeug und nicht jedes additiv gefertigte Bauteil muss später zwangsläufig in den Spritzguss wechseln. Entscheidend sind Anwendung, Stückzahl, Qualität und Wirtschaftlichkeit.
Wo soll Kläger SPC mit dieser Strategie in den kommenden Jahren stehen?
Wir wollen Kläger SPC noch stärker als Technologie- und Entwicklungspartner positionieren. Unsere Kunden sollen uns nicht erst dann ansprechen, wenn eine fertige Zeichnung produziert werden muss, sondern möglichst früh, wenn eine technische Herausforderung gelöst werden soll.
Dafür verbinden wir mehr als 40 Jahre Engineering-Erfahrung, jahrzehntelange Serienkompetenz und unser wachsendes Know-how in der industriellen additiven Fertigung.
Die Tomorrow Factory ist dabei ein wichtiger Evolutionsschritt: Wir holen vorhandenes Know-how stärker ins eigene Haus, bauen es industriell aus und machen daraus ein skalierbares Angebot für unsere Kunden und die Kläger Group.
So entsteht aus drei Kompetenzfeldern ein gemeinsamer Anspruch: von der Idee über das erste funktionale Bauteil bis zur wirtschaftlichen Serie den passenden Weg zu finden – schnell, technologieoffen und aus einer Hand.
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